DER VI. KREUZZUG (1199-1204)
VI. KreuzzugIm August 1198 rief Papst Innozenz III. einen neuen Kreuzzug aus. Lokale Predigten – wie auch des Papstes beispiellose Entscheidung, die Kirche zur Unterstützung der Kreuzfahrer zu besteuern – trugen dazu bei, dass sich um die Herzöge der Champagne, von Blois und Flandern sowie um einige bedeutende Herren von Frankreich der Kern der künftigen Streitmacht bildetete. Der Kreuzzug sollte in das Zentrum der muslimischen Macht im Nahen Osten, das bedeutete Ägypten, führen. Venedig übernahm den Transport und verpflichtete sich vertraglich, 4.500 Ritter, 9.000 Schildknappen und 20.000 Fußsoldaten für 85.000 Mark in Silber nach Ägypten zu verschiffen. Als im Oktober 1202 nur etwa ein Drittel der Kreuzfahrer Venedig erreichte, konnten diese die ausgemachte Summe für den Transport nicht aufbringen. Statt dessen versprachen die Kreuzfahrer den Venezianern ihre Hilfe, bei der Rückeroberung der Stadt Zara, die 1186 an die Ungarn gefallen war. Trotz des Verbotes des Papstes, christliche Städte anzugreifen, wurde Zara einen Monat später eingenommen.

VI. KreuzzugWährenddessen wurde das Byzantinische Reich von einer Krise in der Herrscherdynastie erschüttert. Der Kaiser Isaak Angelos war von seinem Bruder Alexios III. abgesetzt und geblendet worden. Isaaks Sohn floh in den Westen, um bei den Kreuzfahrern um Hilfe zu bitten. Sollten sie ihm und seinem Vater wieder zum Thron verhelfen, würde er ihnen 200.000 Mark in Silber bezahlen, die orthodoxe Kirche mit der katholischen wiedervereinigen und ein großes Heer für Feldzüge im Heiligen Land bereitstellen. Die Venezieaner und der Großteil der Führer des Kreuzzuges stimmten zu. Viele Kreuzfahrer allerdings trennten sich vom Heer und segelten direkt ins Heilige Land.

Das Hauptheer landete am 24. Juni bei dem Konstantinopel gegenüber liegendem Ort Chalkedon. Von Scutari aus überquerten sie den Bosporus, nahmen Galata am 6. Juli ein und maschierten am Goldenen Horn entlang. Die Venezianer bereiteten inzwischen den Angriff von der Seeseite her vor. Am 17. Juli erfolgte der Hauptsturm auf die Stadt, der zur Flucht von Alexios' III. und zur Befreiung Isaaks führte. VI. KreuzzugDer junge Alexios IV. – der gekrönte Mitkaiser seines Vaters – versuchte, den Verpflichtungen gegenüber seinen Verbündeten nachzukommen, die außerhalb der Stadtmauern ihre Lager aufgeschlagen hatten. Das Volk und der Klerus Konstantinopels jedoch lehnten die Bedingungen der Abmachung und die Anwesenheit der Kreuzfahrer ab. Anti-westliche Emotionen entluden sich in Tumulten und Straßenkämpfen. Im Januar 1204 wurden Alexios IV. und sein Vater abgesetzt und ermordet. Alexios V., der neue Kaiser, war den Kreuzfahrern gegenüber feindlich gesinnt. Die Kreuzfahrer entschlossen sich zur Einnahme Konstantinopels. Im März unterschrieben die Venezianer und die Kreuzfahrer einen Vertrag, der das Byzantinische Reich als Beute aufteilte und so dessen Untergang beschloß. Nach dreitägigem Morden und Plündern war die Stadt am 15. April in ihrem Besitz. In der Hagia Sophia wurde Graf Balduin von Flandern zum ersten lateinischen Kaiser gekrönt. Der Großteil des Südens von Griechenland wurde im folgenden Winter erobert.

Karte I. Kreuzzug
Karte des VI. Kreuzzuges